Das Geheimnis der Freimaurerei:

Wenn die Freimaurerlogen ihr Brauchtum der Öffentlichkeit vorenthalten oder
– um einen beliebten Ausdruck zu verwenden – „geheim“ halten, so hat das seinen
im Wesen des Brauchtums selbst liegenden Grund.

Jedem Brauchtum, gleich welcher Art, ob religiöser oder weltlicher Form, ist eigent¸mlich, dass es, um wirksam zu werden, eine spezifische Geisteshaltung voraussetzt.

Nur aus einer ganz bestimmten geistigen oder seelischen Einstellung heraus kann ein Beteiligter angesprochen werden. Das innere Erleben eines Brauchtums ist umso nachhaltiger, wenn es im Kreis Gleichgesinnter zelebriert wird.
Das Brauchtum der Freimaurer, das so genannte Ritual, mit seinen Symbolen und symbolischen Handlungen, ist einem Aussenstehenden ohne Kenntnis der inneren Zusammenhänge nicht verständlich.

Es spricht ihn deshalb nicht an.

Es besteht die Möglichkeit, dass ein auflenstehender Zuschauer enttäuscht, ernüchtert oder gar abgestossen, statt angesprochen wird.
Deshalb werden bei den Logenarbeiten keine Aussenstehenden als Zuschauer zugelassen.

Die freimaurischen Zusammenkünfte sind für die Beteiligten eine viel zu ernste,
eine innerlich viel zu wertvolle Angelegenheit, als dass sie Dritten lediglich der
Befriedigung einer Neugier dienen dürfen.

In diesem Zusammenhang liegt es nah, eine Antwort zu geben auf die Frage,
welche Bewandtnis es mit dem oft beredeten „Geheimnis der Freimaurerei“ hat.

Nach heutigem allgemein üblichem Sprachgebrauch wird unter „Geheimnis“ all das verstanden, was Dritten, Unbefugten nicht zur Kenntnis gebracht werden darf oder soll.
Bekannt und geläufig sind z. B. das Bank-, Beicht-, Berufs- und Postgeheimnis.
Hier wird jeweils das Wort „Geheimnis“ im Sinne einer moralischen oder rechtlichen Verpflichtung zur Geheimhaltung verwendet. Schwer ist die übertragung eines Geheimnisses in einen religiösen oder übersinnlichen Sinn.

Die Verdeutschung des in diesem Bereich geläufigen griechischen Wortes „Mysterium“ leitet sich von „myein“ ab, und bedeutet zunächst: „die Augen schliessen“ und weiter im übertragenen Sinne: das „in sich selbst versinken“ oder andachtsvolles Nachdenken.
Der Freimaurer versenkt sich in sich selbst, um in andächtigem Nachdenken des inneren Erlebens teilhaftig zu werden.

Das ist sein Geheimnis.

Nicht die Ausstattung und Einrichtung der Logenräume, nicht die Symbole und ihre Verwendung, nicht der Wortlaut und der Ablauf des Brauchtums sind das Geheimnis des Freimaurers, sondern das Erwachen wahren inneren Erlebens unter der Einwirkung unseres Schöpfers.